Skip to content

Das Breitbandnetz des Neckar-Odenwald-Kreises ist online!

Das von der IK-T geplante und entwickelte Breitbandnetz des Neckar-Odenwald-Kreises ist am 31.10.2011 in Betrieb genommen worden.

Leistungsfähige Internetzugänge sind in der modernen Informationsgesellschaft zunehmend unverzichtbarer Bestandteil der Basisinfrastruktur. Die Verfügbarkeit von schnellem Internet ist mittlerweile in der Bedeutung den herkömmlichen Infrastrukturen wie Straßen, Energie und Bahn gleich zu setzen.

Der Start des Projekts „Breitbandinfrastruktur im Neckar-Odenwald-Kreis“ erfolgte im April 2008. Der Neckar-Odenwald-Kreis und seine Wirtschaftsförderung WINO GmbH vergaben eine Studie an die IK-T zur Analyse des Istbestands, der Feststellung der Nachfragepotentiale sowie zur Erstellung eines Konzepts für eine flächendeckende Erschließung. Diese Studie widmete sich drei wichtigen Aufgabenstellungen:

  1. Ermittlung des Kommunikations-Marktpotentials im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis sowohl im Geschäftskunden als auch im privaten Bereich
  2. Vollständige Erfassung der bestehenden Breitbandinfrastruktur zur exakten Feststellung der unterversorgten Gebiete und des konkreten Breitbandbedarfs
  3. Erstellung eines mehrstufigen Erschließungskonzepts mit dem Ziel, für jeden einzelnen Ortsteil im Neckar-Odenwald-Kreis eine technische Lösung zum Anschluss an das schnelle Internet zu finden. Es sollten Lösungen erarbeitet werden, die auch für die Gemeinden finanzierbar sind.

Beinahe zeitgleich trat das bis dato in Deutschland einzigartige Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg „Breitbandinfrastruktur Ländlicher Raum“ in Kraft. Unter gewissen Prämissen (Unterversorgung, Nachweis des Bedarfs pro Gemeinde) sah das Programm eine pauschale Förderung bei der Verlegung von Leerrohren vor, außerdem eine Zuwendung bis zu insgesamt 75.000 € je Ortsteil an einen Netzbetreiber, damit er tatsächlich den technischen Anschluss vornimmt.

Ende August 2008 legte IK-T die 339 Seiten starke Studie vor, aus der die fehlende Leitungsinfrastruktur (Glasfaserkabel) zwischen Netzanschlusspunkten und den unterversorgten Ortsteilen als wesentliches Hemmnis identifiziert wurde.

Im Dezember 2008 wurde die neue Förderrichtlinie „Breitbandinfrastruktur ländlicher Raum“ für das Jahr 2009 veröffentlicht. Neben den bekannten Fördermöglichkeiten konnten nun auch Projekte „mit innovativem und modellhaftem Charakter zur Versorgung ländlich geprägter Orte mit Breitbandinfrastruktur“ mit einem Zuschuss der zuwendungsfähigem Ausgaben bis zu 75 % gefördert werden.

Mit Blick auf eine modellhafte Förderung wurde IK-T umgehend mit der Erstellung einer überregionalen Netzplanung zur Breitbanderschließung im Neckar-Odenwald-Kreis beauftragt. Dabei schlug IK-T zunächst die zeitlich abgestufte Erschließung in Form von drei Korridoren vor. Parallel zur Erstellung der Netzplanung wurde eine Vielzahl von Abstimmungsgesprächen mit potentiellen Netzbetreibern und dem für die Förderung zuständigen Ministerium Ländlicher Raum geführt. Am 11. Februar 2009 stellte das Ministerium erstmals die grundsätzliche Anerkennung als Modellvorhaben unter bestimmten Voraussetzungen in Aussicht. Da die genannten Restriktionen ein unkalkulierbares finanzielles Risiko für die Investoren der Maßnahmen (die Gemeinden) darstellten, entschied der Landkreis 2 Millionen Euro Landkreismittel zur Breitbandförderung den Gemeinden bereit zu stellen. Bald darauf erklärte sich das Land bereit, das Projekt des Neckar-Odenwald-Kreises als modellhaftes Vorhaben  anzuerkennen, wenn der Ausbau der Breitbandinfrastruktur auf das erste IK-T Gutachten aus dem Jahr 2008 ausgerichtet würde, da somit die Kriterien „Technikneutralität“ und „Anbieterneutralität“ gewährleistet wären.

Das Modellvorhaben wurde nun in 2 großen Phasen durchgeführt:

  • Der Tiefbau mit der Verlegung von Leerrohren und dem Einzug von Glasfaserkabeln. Dabei systematisierte die WINO den Tiefbau-Antrag samt den erforderlichen Nachweisen in Form eines Musterantrages, der somit eine schnelle Vergleichbarkeit und Prüfung der Vollständigkeit gewährleistete und die Arbeit der Genehmigungsbehörde vereinfachte.
  • Der Ausbau der technischen Infrastruktur über einen Netzbetreiber

Im Oktober 2009 legte IK-T die neue landkreisweite Netzplanung für das Modellhafte Vorhaben vor, welche für jeden Ortsteil maßgeschneiderte Erschließungslösungen und eine detaillierte Streckenübersicht enthielt. Parallel wurden von der WINO für alle teilnehmenden Gemeinden die Förderanträge je Ortsteil zusammengestellt und an das Regierungspräsidium geschickt. Zwischen Dezember 2009 und März 2010 gingen die Förderbescheide bei den Gemeinden ein, was gleichzeitig der Startschuss für die Tiefbauarbeiten bedeutete.

IK-T wurde beauftragt, einen standardisierten Ausschreibungstext zu entwerfen, was zunächst als europaweite Ausschreibung realisiert wurde (ohne Zuzahlung der Gemeinden), um anschließend den Netzbetrieb erneut auszuschreiben, dieses Mal jedoch mit der Möglichkeit eine Zuzahlung der Gemeinden pro Ortsteil. Mitte Juni 2010 stand fest: rund 90% der ausgeschriebenen Ortsteile erhielten ein Angebot der Telekom. Mit dem Ausschreibungsergebnis konnten die vorbereiteten Förderanträge beim Regierungspräsidium vorgelegt und bearbeitet werden.

Nun widmete sich das Landratsamt den Ortsteilen, für die noch kein Angebot abgegeben worden war. Es erfolgten Nachverhandlungen mit der Telekom, die so positiv verliefen, dass die Erschließung dieser Gebiete und den Anschluss an das schnelle Internet innerhalb von einem Jahr ab Vertragsunterzeichnung sowie eine Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 12Mbit/sek. Download gewährleistet wurde.

Während von August bis November 2010 in vielen Orten die Tiefbauarbeiten für die Verlegung der Leerrohre mit Glasfaserkabel abgeschlossen wurden, erarbeiteten IK-T und die WINO die standardisierten Verträge für die Herstellung der Netzanschlüsse und des folgenden Netzbetriebs. Dank dieser Vorarbeiten konnten alle Gemeinden in den Monaten September, Oktober und November 2010 die Netzbetriebsverträge mit der Telekom abschließen. In den folgenden Monaten wurde von der Telekom in jedem einzelnen Ortsteil die Netztechnik systematisch aufgebaut und ans schnelle Internet mit der neuen 50-Megabit-Technologie angeschlossen.

Dies bedeutete im Einzelnen:

  • Die Umsetzung von 50 Nutzungsverträgen mit 20 betroffenen Gemeinden
  • Das Einziehen von rund 100 km Glasfaserkabel (zusätzlich zu den neu verlegten 144 km der Gemeinden)
  • Das Auslegen von vier km Kupferkabeln
  • Die Errichtung von 92 neuen Multifunktionsgehäusen
  • Die Überarbeitung und Änderung von 210 Kabelverzweigern, verteilt auf alle Ortsteile
  • Die Umschaltung und Neuadministration von über 32.000 Kunden

 

Am 31.10.2011 um 16.00 war es endlich soweit: Das neue Netz des Neckar-Odenwald-Kreises wurde feierlich offiziell in Betrieb genommen. Auch wenn der Aufwand an Kosten, Personal und Zeit nicht unerheblich war, profitiert letztendlich der gesamte Neckar-Odenwald-Kreis mit seinen Einwohnern und seinen Unternehmen von diesem Projekt.

sfy39587p00